Das Botulinum Toxin - Gift oder Heilmittel?

Autor

Dr. Anna Lukyanova

Erstellungsdatum

1.12.2023

Das Botulinum Toxin - Gift oder Heilmittel?

Botox®: Mehr als nur ein Schönheitselixier

Botox® ist ein wahres Multitalent in der medizinischen Welt. Seine Wirkungsweise – es wirkt durch eine Unterbrechung der Impulsübertragung vom Nerv zum Muskel und führt dadurch zu Lähmungen der Muskulatur – macht es zu einem effektiven Mittel für verschiedene Therapien. Dadurch wird es für viele Patienten zu einem Heilmittel. Die therapeutischen Einsatzmöglichkeiten sind weitreichend:

Migränebehandlung: Ein Lichtblick für Betroffene

Die Behandlung chronischer Migräne ist eine der bemerkenswertesten medizinischen Anwendungen von Botox®. Hier kann eine Botox®-Behandlung eine erhebliche Linderung bewirken. Durch die Entspannung der betroffenen Muskeln und die Blockade von Schmerzsignalen können die Intensität und Häufigkeit der Migräneattacken stark verringert werden. Die Anwendung ist sicher und wird in der Regel gut toleriert. Die Nebenwirkungsrate ist gering bei einer signifikanten Verbesserungsrate. Patienten erhalten eine Injektion von Botox® in die Kopf- und Halsmuskulatur und sind meist bereits nach wenigen Tagen annähernd migränefrei – ohne weitere prophylaktische oder Akut-Medikamente. Die Wirkung einer Erstbehandlung hält in der Regel circa 3 Monate an. Danach ist ein Wiederauftreten der Migräne in der bekannten Anfallsfrequenz und -schwere möglich. Es können dann weitere Behandlungen im Abstand von 2.5 bis 3 Monaten durchgeführt werden. Oftmals haben Patienten nach mehreren Behandlungen auch dauerhaft keine schweren Migräneattacken mehr und können auf eine weitere medikamentöse oder ärztliche Begleitung verzichten. Wenn jedoch nach drei Sitzungen keine Verbesserung der Symptome auftritt, sollte die Therapie abgebrochen werden.

Bruxismus: Entspannung für den Kiefer

Botox® wird auch zur Linderung von Bruxismus eingesetzt, einer weit verbreiteten Störung, die sich durch unbewusstes Zähneknirschen äußert. Hierzulande leiden circa 6-20% der Gesamtbevölkerung am Schlaf-assoziierten Bruxismus. Betroffene selbst bemerken oft morgens Verspannungen oder einen leichten Muskelkater rund um den Kiefer. Aber auch Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Tinnitus gehören zu den möglichen Symptomen der Betroffenen. Die Injektion von Botox® in die Kiefermuskulatur kann dazu beitragen, das unbewusste Zusammenpressen des Ober- und Unterkiefers zu reduzieren, was den Zahnschmelz schont und die Spannungsschmerzen im Kieferbereich mildert. Anders als bei einer die Zähne schützenden Schiene stoppt eine Botox®-Behandlung das Zähneknirschen schon an der Wurzel:  Der Muskel entspannt, das Aufeinanderpressen und das Reiben der Zähne unterbleiben. Und noch besser: Der durch das chronische Knirschen vergrößerte Kiefermuskel bildet sich als Reaktion auf die Behandlung zurück - eine hervorragende Ausgangslage, um auch in der Folgezeit den „Druck“ auf Kiefer und Zähne zu reduzieren. Gelingt dies, taucht das Knirschen im Idealfall bereits nach wenigen Behandlungen nicht wieder auf. Viele Patienten freuen sich dabei über einen ästhetischen Nebeneffekt des durch die Behandlung geschrumpften Kiefermuskels: ein schmaler wirkendes Gesicht.

Hyperhidrose: Kampf gegen übermäßiges Schwitzen

Auch Hyperhidrose, eine Erkrankung, die durch übermäßiges Schwitzen gekennzeichnet ist, kann mit Botox® behandelt werden. Circa 2,5 Prozent der Bevölkerung sind von einer Form des übermäßigen Schwitzens betroffen und schwitzen heftig – meist unter den Achseln, an Handflächen und Fußsohlen. Die Schweißdrüsen sind dabei überstimuliert. Bei besonders stark Betroffenen kann Schweiß abtropfen und es bilden sich große Schweißflecken. Botox® gilt hier als eine der effektivsten Methoden zur Reduzierung der Schweißproduktion. Wird es unter die Haut gespritzt, so gelangt es zu den Schweißdrüsen und blockiert dort gezielt die dorthin geleiteten Nervenimpulse, d.h. es hemmt die Aktivität der Schweißdrüsen. Andere Nervenfunktionen wie das Fühlen oder Tasten durch die Haut werden dadurch nicht beeinflusst, jedoch kann es im Bereich der Hände zu einer vorübergehenden Abschwächung der Handmuskulatur kommen. Schwere Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Die positive Wirkung der Behandlung dauert bis zu drei Monate an und kann so zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität führen. Üblicherweise kommen Patienten circa 1-2 mal pro Jahr zur Behandlung, um die Unterspritzung zu wiederholen. Infrage kommt die Behandlung mit Botox®, wenn das Problem auf kleine Körperpartien begrenzt ist und keine andere ursächliche Erkrankung gefunden wird, die sich medizinisch behandeln lässt.

Schmerztherapie bei Arthrose

Eine interessante Entwicklung ist auch der Einsatz von Botox® zur Schmerztherapie bei Arthrose. Durch die Linderung der Muskelspannung kann Botox® Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. So bringt die Botox®-Therapie auch bei langanhaltenden starken Schmerzen von Kniegelenk oder des Ellenbogen zuverlässige Linderung, beispielsweise beim sogenannten Tennisarm oder auch dem Fersensporn. Patienten berichten nach der Injektion mit Botox® unter anderem über eine reduzierte Empfindlichkeit gegenüber mechanischen und thermischen Reizen.

Ästhetische Indikationen: Die Kunst der Verjüngung

Neben den medizinischen Anwendungen hat Botox® bekannterweise auch einen festen Platz in der ästhetischen Medizin. Der bekannteste Effekt ist wohl die Anwendung von Botox® zur optischen Verjüngung der Haut: So wird Botox® häufig zur Glättung von Falten im Gesicht und am Hals verwendet. Durch die Entspannung der mimischen Muskulatur verhindert es die Entstehung neuer Falten und trägt so zur Hautverjüngung bei. Ein neuer Trend in der ästhetischen Anwendung von Botox® ist die Verbesserung des Erscheinungsbildes in spezifischeren Bereichen wie zum Beispiel „Scrotox“ zur Glättung der Skrotalhaut, also der Haut am Hodensack, bei Männern. Sehr beliebt ist derzeit auch Traptox, in den sozialen Medien bekannt als „Barbie Botox®“ zur Erzielung eines sogenannten Barbie-Halses. Bei dem ursprünglich zur Entspannung des Trapezmuskels und Reduktion von Migräne und Nackenverspannungen entwickelte Verfahren wird Botox® in den Trapezmuskel injiziert wo es Nervensignale blockiert, die sonst zur Muskelüberlastung führen. Durch die Muskelentspannung schwindet der Muskel – dadurch wird der Hals verlängert und der Schulterbereich verkleinert. Und voilà: es ergibt sich der typische Barbie Look.

Eignung, Wirkungsdauer und Kosten

Botox® hat also vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. In bestimmten Fällen darf Botox® jedoch nicht eingesetzt werden. Dies ist beispielsweise der Fall bei Patienten mit Erkrankungen, die die neuromuskuläre Übertragung beeinflussen, oder natürlich auch bei Unverträglichkeiten gegenüber Botulinumtoxinen. Die Dauer der Wirkung ist je nach der zu behandelnden Ursache unterschiedlich. Üblicherweise hält die Wirkung mehrere Monate. Im besten Fall führt die einmalige oder mehrfache Behandlung mit Botox® dazu, dass ein vollständiger, dauerhafter Heilungserfolg eintritt. Umso erfreulicher ist es, dass die Kosten für die Behandlung mit Botox® - diese liegen je nach zu behandelndem Areal bei ab 350 € - zumindest bei medizinischer Notwendigkeit und je nach Fall von (privaten) Krankenkassen übernommen werden können.

Fazit: Eine Welt voller Möglichkeiten

Botulinum Toxin A ist ein faszinierendes Beispiel dafür, wie ein und derselbe Wirkstoff in verschiedenen medizinischen und ästhetischen Bereichen erfolgreich eingesetzt werden kann. Von der Schmerzlinderung bis zur Hautverjüngung bietet Botox® eine beeindruckende Palette an Behandlungsmöglichkeiten. Obwohl die meisten Menschen Botox® mit Schönheitsbehandlungen assoziieren, ist sein Potenzial in der Medizin nicht zu unterschätzen. Seine Anwendung bei Migräne, Bruxismus, Hyperhidrose und sogar Arthrose zeigt, dass es mehr als nur ein Mittel zur Faltenbehandlung ist. Mit der richtigen Anwendung und unter fachkundiger Betreuung kann Botulinum Toxin A sowohl zur Verbesserung der Lebensqualität als auch zur Förderung des ästhetischen Wohlbefindens beitragen. Wir beraten Sie dazu gern.

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